Perspektiven schaffen und Zukunft gestalten
Kreis-Caritasverband Freyung-Grafenau e.V. feiert 50 Jahre "Aktion Jugend und Beruf"
Freyung. Mit einer feierlichen Jubiläumsveranstaltung blickte der Kreis-Caritasverband Freyung-Grafenau e.V. auf 50 Jahre "Aktion Jugend und Beruf" zurück. Die Einrichtung hat sich seit ihrer Gründung kontinuierlich weiterentwickelt und begleitet junge Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen neben einem historischen Rückblick vor allem die Bedeutung individueller Förderung, die enge Vernetzung mit regionalen Partnern sowie die nachhaltige Wirkung für Gesellschaft und Arbeitsmarkt.
Engagement für junge Menschen - seit fünf Jahrzehnten
Zum Auftakt begrüßte der geschäftsführende Vorstand Florian Kasparak die zahlreichen Gäste und würdigte insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als "Herz der Einrichtung". Sie seien es, die mit ihrem täglichen Einsatz den Erfolg der Maßnahme tragen. Zugleich hob er die enge Zusammenarbeit mit dem Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Waldkirchen hervor, die seit dem Schuljahr 2023/24 insbesondere im Bereich der Berufsorientierungsklassen weiter ausgebaut wurde. Sein Dank galt weiter allen Kooperations-partnern sowie den finanzierenden Stellen, die die Arbeit der Einrichtung ermöglichen.
Die "Aktion Jugend und Beruf" ist Teil der Kinder- und Jugendhilfe des Kreis-Caritasverbandes und richtet sich an junge Menschen, die aufgrund sozialer oder persönlicher Herausforderungen besondere Unterstützung benötigen. Ziel ist es, ihnen durch praxisnahe Ausbildung und intensive sozialpädagogische Begleitung eine nachhaltige berufliche Perspektive zu eröffnen. Neben fachlicher Qualifikation werden insbesondere soziale Kompetenzen gestärkt und individuelle Problemlagen aufgegriffen.
Ein Ort der Orientierung, Hoffnung und Entwicklung
Kaplan Jan Kolars unterstrich in seinem geistlichen Impuls die besondere Atmosphäre der Einrichtung, die er aus eigener Erfahrung kennt. "Hier wird zugehört, hingesehen und unterstützt", betonte er. Die Jugendlichen würden nicht nur handwerklich angeleitet, sondern auch in ihrer persönlichen Entwicklung begleitet. Die Einrichtung vermittle Halt und ermögliche es jungen Menschen, ihren eigenen Wert zu erkennen: "Sie erfahren: Mein Leben hat Wert, ich kann etwas, ich bin etwas." Die "Aktion Jugend und Beruf" sei damit ein Ort, an dem Perspektiven entstehen, Hoffnung wächst und junge Menschen Sinn in ihrem Tun finden.
Wandel und Kontinuität: Ein Blick zurück
In ihrem Rückblick zeichnete die hauptberufliche Vorständin Alexandra Aulinger-Lorenz die Entwicklung der Einrichtung nach. Ausgangspunkt war Mitte der 1970er-Jahre eine hohe Zahl an Schulabgängern ohne Perspektive. 1976 wurde zunächst die "Aktion Jugend und Arbeitslose" ins Leben gerufen, aus der 1980 die heutige "Aktion Jugend und Beruf" hervorging. In den folgenden Jahrzehnten passte sich die Maßnahme kontinuierlich an gesellschaftliche und arbeitsmarktpolitische Veränderungen an: Von ersten Modellprojekten und staatlichen Förderungen über Programme zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit bis hin zu modernen Integrations- und Rehabilitationsmaßnahmen. Trotz aller Veränderungen blieb ein Kernprinzip stets erhalten: Die individuelle Begleitung der Jugendlichen, ergänzt durch Gruppenangebote und ein breites Netzwerk an Praktikumsbetrieben.
Starke Kooperation als Schlüssel zum Erfolg
Ein zentrales Element der aktuellen Arbeit ist die Kooperation mit dem BSZ Waldkirchen, die Anna Sophia Boxleitner näher erläuterte. Ziel sei es, Jugendlichen sowohl berufliche als auch persönliche Perspektiven zu eröffnen und ihre gesellschaftliche Teilhabe zu stärken. Die Zusammenarbeit umfasst verschiedene Maßnahmen für deutsche und ausländische Jugendliche, darunter Berufsvorbereitungsklassen und Berufsintegrationsklassen. Im Fokus stehen sozialpädagogische Betreuung, Bewerbungstraining, praktische Projekte sowie die Vermittlung in Praktika und Ausbildung.
Ein wesentliches Instrument ist dabei ein breit gefächertes Netzwerk regionaler Betriebe, das den Jugendlichen praxisnahe Einblicke ermöglicht. Perspektivisch sollen Programme wie das "Startchancen-Programm" sowie neue Unterstützungsangebote im Schulalltag dazu beitragen, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden und Übergänge nachhaltig zu sichern.
Wertvoller Beitrag für Region und Gesellschaft
Die stellvertretende Landrätin Helga Weinberger betonte in ihrem Grußwort die große Bedeutung der Einrichtung für den Landkreis. Die "Aktion Jugend und Beruf" zeige eindrucksvoll, "was möglich ist, wenn man an junge Menschen glaubt". Sie würdigte die Maßnahme als Brückenbauer in den Arbeitsmarkt und als Gewinn für die regionale Wirtschaft. Jugendliche würden hier als Persönlichkeiten angenommen und auf Augenhöhe begleitet. Gerade das Handwerk spiele dabei eine zentrale Rolle: "Es schafft Werte mit eigenen Händen und eröffnet Perspektiven für die Zukunft."
Auch Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich hob die nachhaltige Wirkung der Einrichtung hervor. Seit 50 Jahren werde hier Verantwortung für junge Menschen übernommen, insbesondere für jene mit schwierigen Ausgangsbedingungen. Die Kombination aus fachlicher Ausbildung und intensiver sozialpädagogischer Begleitung sei dabei entscheidend: "Hier wird nicht nur ein Beruf vermittelt - hier wird Selbstvertrauen aufgebaut und Lebenswege werden neu ausgerichtet."
Zugleich verwies Dr. Heinrich auf die Herausforderungen der Zukunft: Trotz eines wachsenden Angebots an Ausbildungsplätzen benötigten viele junge Menschen weiterhin Orientierung und Unterstützung. Die "Aktion Jugend und Beruf" bleibe daher ein unverzichtbarer Bestandteil der regionalen Bildungs- und Soziallandschaft.
Perspektiven für die Zukunft
Das Jubiläum machte deutlich: Die "Aktion Jugend und Beruf" steht seit fünf Jahrzehnten für Verlässlichkeit, Anpassungsfähigkeit und gelebte Verantwortung. Sie verbindet handwerkliche Ausbildung mit sozialpädagogischer Begleitung und schafft so nachhaltige Perspektiven für junge Menschen. - Oder, wie es im Rahmen der Veranstaltung mehrfach zum Ausdruck kam: Die Einrichtung ist weit mehr als ein Bildungsangebot - sie ist ein Ort, an dem junge Menschen ihren Weg finden, Vertrauen in sich selbst entwickeln und Zukunft gestalten können.
Bild: Blickten auf 50 Jahre des Engagements für junge Menschen auf ihrem beruflichen Weg zurück:
(v. li. n. re.) stellvertretende Fachgebietsleiterin Anna Sophia Boxleitner, Standortleiter Robert Eberle als Vertreter des BSZ Waldkirchen, Aufsichtsrat Martin Pichler, Bezirkstagspräsident und Aufsichtsrat Dr. Olaf Heinrich, hauptberufliche Vorständin Alexandra Aulinger-Lorenz, Kaplan Jan Kolars, stellv. Landrätin Helga Weinberger, Aufsichtsrätin Maria Binder, geschäftsführender Vorstand Florian Kasparak und Bischöflich Beauftragter Stefan Seiderer als Vertreter des Diözesan-Caritasverbandes.
Bildquelle: Bezirk Niederbayern, Christoph Weishäupl