Gemeinsam Wege aus der Krise finden
30 Jahre sozialpsychiatrischer Dienst und Suchtberatung im Landkreis Freyung-Grafenau
Grafenau. Seit 30 Jahren gibt es im Landkreis den sozialpsychiatrischen Dienst und die psychosoziale Suchtberatung durch den Kreis-Caritasverband Freyung-Grafenau. Wie sich die Angebote in den Jahren entwickelt haben und warum das Engagement der Caritas so wertvoll ist - das stand im Mittelpunkt der Jubiläumsfeier am Freitag in Grafenau.
Der geschäftsführende Vorstand Florian Kasparak konnte dazu Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich sowie Landrat Sebastian Gruber begrüßen, doch auch viele Vertreter von Kooperationspartnern sowie eigene Mitarbeiter waren gekommen, um diesen "segensreichen Dienst" in den drei Jahrzehnten zu feiern.
Pater Bobby hatte die Arbeit der Caritas-Mitarbeiter so bezeichnet, vor der er "großen Respekt" habe. Alexandra Aulinger-Lorenz, die jetzt hauptberuflicher Vorstand des Kreis-Caritasverbandes ist, hatte vor 30 Jahren in der Suchtberatung begonnen und konnte so auch aus eigener Perspektive auf die Entwicklung zurückblicken. Was früher als allgemeine Beratungsdienste begonnen hatte, wurde im Laufe der Zeit immer spezieller auf- und ausgebaut, so dass es mittlerweile eine Vielzahl von Angeboten gibt.
Eines aber ist immer gleich geblieben: Der Wille, denjenigen Menschen zu helfen, die gerade in einer schwierigen Situation ihres Lebens sind. Das reicht von einer zeitweisen Belastungsstörung, die von gewissen Lebensumständen verursacht wird, bis hin zur psychischen Erkrankung, mit der man zu leben lernen muss. "Oft geht es darum, eine Erkrankung zu verhindern oder die Menschen nach einem stationären Aufenthalt noch eine Zeit lang zu begleiten", erklärte Florian Kasparak.
Als Leiter des sozialpsychiatrischen Dienstes ist Steffen Schulz schon seit den Anfängen dabei und sah den Erfolg auch mit gemischten Gefühlen: "Die Zahl der Menschen, die unsere Hilfe brauchen, wächst. Früher waren es 200 pro Jahr, im Jahr 2023 waren es rund 400 und im letzten Jahr bereits 500 Klienten - ich hoffe, dass sich das nicht so fortsetzt." Dennoch konnte sowohl er als auch Tobias Melch (Leiter der Suchtberatung) von besonderen Erfolgen berichten - etwa eine Klientin von früher, die mittlerweile selbst als Laienhelferin eine Gruppe leitet.
Genau dieses "Netz, das ineinandergreift" hält Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich für besonders wichtig. "Man ist nicht von heute auf morgen gesund, es braucht weitere Begleitung und Unterstützung", so Heinrich weiter, der allen Mitarbeitern für ihren Einsatz dankte. Er verglich ihre Arbeit mit der eines Bergführers: Es gehe nicht nur darum, vorne den richtigen Weg zu finden, sondern auch, die Gruppe insgesamt zusammenzuhalten, damit jeder die Möglichkeit hat, die Tour zu schaffen.
Als sehr "wertvoll" bezeichnete auch Landrat Sebastian Gruber die beiden Caritas-Angebote, die sich über die Jahre differenziert und passgenau weiterentwickelt haben - so wie es die Gesellschaft insgesamt auch tue. Er hob zudem hervor, dass es auch für die Mitarbeiter im Landratsamt wichtig sei, bei Bedarf auf den Kreis-Caritasverband verweisen zu können. "Für diese Kooperation und hervorragende Netzwerk danke ich Ihnen sehr." Das konnte auch der neue Grafenauer Bürgermeister Jonas Höcker unterstreichen, der sich freute, dass das Jubiläum in Grafenau stattfand.
Einblicke in die Arbeit des Krisendienstes Niederbayern gab im Anschluss dessen Leiter Werner Sagmeister. Mehr als 12.000 Mal wurde der Krisendienst Niederbayern im Jahr 2025 angerufen, was zeigt, wie dringend notwendig auch dieses Angebot ist, das 2021 bayernweit eingeführt wurde. "Wir finden gemeinsam Wege aus der Krise", so Sagmeister und meinte damit das Gespräch zwischen Krisendienst und Betroffenem am Telefon. Gleichzeitig aber trifft das auch auf das Miteinander von Krisendienst auf niederbayerischer Ebene und den Angeboten vor Ort zu: "Viele Menschen wissen nicht, wo sie Hilfe bekommen. Wir verweisen auf die Strukturen vor Ort. Es braucht verlässliche Kooperationen, um den Betroffenen schnell zu helfen." Dass das im Landkreis Freyung-Grafenau so gut klappt, dafür bedankte sich Sagmeister und wünschte wie seine Vorredner alles Gute für die nächsten Jahrzehnte.
Bild: Die Vorstände Florian Kasparak und Alexandra Aulinger-Lorenz (mit
Schild) zusammen mit Gratulanten und Mitarbeitern (v.r.)
Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Steffen Schulz (Leiter
sozialpsychiatrischer Dienst), Stefan Seiderer (Bischöflich
Beauftragter des Diözesancaritasverband),
Landrat Sebastian Gruber, Jonas Höcker (Bgm Grafenau), Tobias Melch
(Leiter der Suchtberatung), Werner Sagmeister (Leiter
Krisendienst Niederbayern), Martin Pichler (Bgm Schönberg) und Pater
Bobby.
Psychosoziale Hilfe
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Erschienen am:
11.05.2026
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