Caritas bei uns

Verband

Caritas neu buchstabieren

Josef Bauer (Geschäftsführender Vorstand im Caritasverband FRG)(c) caritas FRG | Claudia M. Grimsmann

Herr Bauer, was meinen Sie mit der Forderung "Caritas neu buchstabieren"?

Vor wenigen Tagen habe ich die sehr stimmige Stellungnahme eines österreichischen Kollegen gelesen. Bernd Wachter (Generalsekretär der Caritas Österreich). Er beschreibt darin die Funktion der caritativen Arbeit in den vergangenen Jahren: Als "Firewall" zwischen den gesellschaftlichen Rändern und der Mitte. 
Um zukunftsfähig zu bleiben, darf das nicht der Ansatz für unsere Caritasarbeit sein. Es gilt vielmehr, nicht länger voneinander abzuschotten, sondern - wie er es formuliert - "die Menschen auf eine Art und Weise anzusprechen, die sie zu Beteiligten gemeinsamer Anliegen macht." Also, gezielt auf die Integration in der Gesellschaft hinzuwirken.

Das hört sich jetzt sehr theoretisch an. Was bedeutet das für den Caritasverband in unserer Region?

Wachter spricht davon, dass der "Geruch von Armut" nicht in die bürgerlichen Häuser gedrungen ist. Wenn wir aber genauer hinsehen, dann lassen sich die drängenden sozialen Probleme nicht länger ausklammern: Wohnungsmangel, Altersarmut, psychische Erkrankungen in allen Altersgruppen, prekäre Familiensysteme, um hier einige zu nennen.
Aus diesem Grund haben wir uns im vergangenen Jahr entschlossen, verstärkt in den Bereich der betreuten Wohnformen unser Augenmerk zu richten. Für Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer-, nicht in der Lage sind, ihr Leben zu meistern. Dafür sollen integrative Wohnformen geschaffen werden, in denen die notwendige Begleitung und Betreuung stattfinden können. 
Einer Stigmatisierung wollen wir mit unserem ganzheitlichen Anspruch entgegenwirken. 
Ein weiterer Schwerpunkt wird die psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen sein. Hier bedarf es therapeutische Unterbringungsmöglichkeiten. Die Nachfrage steigt stetig, aber es fehlen bisher hier noch Möglichkeiten, den jungen Menschen eine echte Perspektive für die Zukunft zu ermöglichen.


Wie weit zeigt das Bundesteilhabegesetz Auswirkungen: Jetzt, für die Zukunft?

Ob bei der Behinderten-, Jugend- oder Altenhilfe: Mit dieser gesetzlichen Regelung geht (in 4 Stufen) eine umfangreiche Änderung im Sozialgesetz einher. Es bedeutet eine völlige Neuorientierung für betroffene Menschen. Damit soll ihnen die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft gewährleistet werden. Mit der dritten Stufe (ab 2020) wird die Trennung zwischen ambulanten, teilstationären und stationären Wohnformen aufgegeben. All das wird zu Unwägbarkeiten in der Umsetzung führen. Hier sehen wir uns deutlich in der Pflicht: mit all unseren 52 Beratungsstellen, Diensten, Projekten und Einrichtungen.


Das Interview führte M.A. Claudia Maria Grimsmann