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Stand: 23.10.2017

Menschen mit Handicap

Schule St. Elisabeth

Führerschein fürs Wohnen

Echte Herausforderung! 3 Mahlzeiten müssen zubereitet werden: Da darf nichts fehlen. Einer checkt das Rezept, der andere WG-Kollege kontrolliert den Vorrat.

FRG | Regen. "So normal wie möglich und dazu die Hilfe, die gebraucht wird", das wünscht sich die stellv. Schulleiterin Julia Lorenz die Zukunft für ihre Schüler mit geistigem Handicap. Die von ihr entwickelten Wohntrainings sollen Mut machen: "Den jungen Menschen, ihren Eltern und Angehörigen, oder deren gesetzlichen Betreuern", meinte die Sonderpädagogin, "Allen junge Menschen - mit oder ohne Handicap - stellt sich schließlich irgendwann einmal die Frage: Wie will ich später einmal leben?" 

Was heißt aber alleine leben?

In den letzten 3 Klassen der Caritasschule trainieren die jungen Menschen genau das: Immer zum Ende des Schuljahrs, für 1 Woche. "Wichtig: Keiner wir zum Wohntraining gezwungen!", so die Chefin während der Projektwoche.

"Wer sich das nicht zutraut, fährt halt noch nicht mit. Vielleicht dann ja erst im kommenden Jahr." Auch für die einzelnen Familiensysteme eine echte Probe: "Aber es gibt ja Handys, um Kontakt zu halten. Und wenn dann der Sohn die Pizza ganz ohne Hilfe ins heiße Backrohr schiebt, macht das die Eltern schon auch stolz!" Betreuer springen nur dann stützend zur Seite, wenn unbedingt notwendig. Das ist nicht einfach für uns", weiß die Werkmeisterin Ursula Bauer. "Wir kennen unsere Schüler seit der Vorschule. Sind es gewöhnt, ständig zu unterstützen, Hilfestellung zu geben. Diese Woche müssen wir uns schon sehr zurücknehmen!" 

Ursula Bauer überlässt die Speisenauswahl der WG. Die Fachkraft greift so gut wie gar nicht ins Geschehen ein: Nicht immer ganz einfach.

Der Tagesablauf in der Trainingswoche ist genau durchgeplant - vom Aufstehen, um 6 Uhr, bis hin zum selbstständigen Kochen und dem "Kassensturz" am Ende eines jeden Tages. Denn pro Kopf haben die Schüler genau 50 Euro zur Verfügung. Das muss für die 5 Tage reichen. Es wird selbstständig eingekauft, was fürs Frühstück, Mittagessen und Abendbrot gebraucht wird. Am Tagesplan stehen feste Aufräum- und Putzzeiten, aber auch Stunden, die ausschließlich zur freien Verfügung stehen. Bisher wurde das "selbstbestimmte Wohnen" immer am Grafenauer Feriendorf trainiert.

In diesem Jahr musste allerdings erstmals ins Waldferiendorf bei Regen ausgewichen werden. Auch hier sind die beiden 8er-WGs in eigenen kleinen Ferienhäusern untergebracht. Zwei Schüler haben sogar ganz alleine eine Einliegerwohnung und kümmern sich selbstständig um ihre Belange. An sozialen Kontakten mangelt es den beiden augenscheinlich nicht. Bereits am 2. Tag hatten sich die jungen Männer ihre erste Einladung zu Kaffee & Kuchen. Das führte allerdings prompt zu kleineren Engpässen in der Haushaltskasse. "Außerdem mussten die Zwei bis um halb zehn dann noch den Berg an Geschirr spülen. Aber das gehört dazu!", schmunzelte die heilpädagogische Unterrichtshilfe, Mathias Auer.
In Projekt-Tagebüchern wird genau festgehalten - meist mit Gefühls-Smileys - wie der Tag lief: Was hat gefallen, was war nicht so toll. Aber auch welche Hausarbeit wurde gemacht - Staub wischen,Bad putzen, etc. "Eine besondere Herausforderung sind aber die Einkäufe", so Julia Lorenz. "Wir haben den Vorratsdienst und die Listenführung aufgeteilt." Nachdem sich die Gruppe geeinigt hatte, was mittags und abends gekocht wird, was fürs Frühstück am nächsten Tag fehlt, geht es ums Erstellen der Einkaufsliste. Ein WG-Bewohner steht dazu in der Küche und checkt die Schränke, während der Einkaufsverantwortliche die Dinge ankreuzt, die erst noch besorgt werden müssen.

Die jungen Menschen managen die ungewohnte Situation - Handicap hin oder her. Und: auch sie finden Putzen & Co nicht gerade "prickelnd". Aber - wie eben beim Führerschein - es gibt Regeln, an die man sich besser hält, sonst kommt es zum Crash!

- c m g 


Bildunterschriften:

Teaser-Foto: Eine besondere Herausforderung sind aber die Einkäufe: Vorrats-Dienst und die Listen-Führung sind aufgeteilt.

Foto 1: Echte Herausforderung! 3 Mahlzeiten müssen zubereitet werden: Da darf nichts fehlen. Einer checkt das Rezept, der andere WG-Kollege kontrolliert den Vorrat.

Foto 2: Projektwochen-Chefin Julia Lorenz (Studienrätin im Förderschuldienst) freut sich mit der 2er WG (Kay und Sven), dass die Kasse stimmt.

Foto 3: Ursula Bauer überlässt die Speisenauswahl der WG. Die Fachkraft greift so gut wie gar nicht ins Geschehen ein: Nicht immer ganz einfach.

















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